Ideale Symbiose aus Wissenschaft und Praxis

Interview mit Alexander Wüerst, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Köln


Mehr als 150 Vorstandsvorsitzende der Sparkassen-Finanzgruppe haben das Lehrinstitut besucht.
Für das Lehrinstitut sprachen Ingo Kühling, Landessparkasse zu Oldenburg und Michael Kompa, Stadtsparkasse München, Teilnehmer des 68. Lehrgangs am Lehrinstitut, mit Alexander Wüerst, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Köln.

 LI:  Herr Wüerst, Sie haben vor 17 Jahren das Lehrinstitut besucht. Welche Rolle hat Ihr Abschluss bei Ihrer beruflichen Entwicklung gespielt?

Wüerst: Eine erhebliche Rolle. Im Hause der Kreissparkasse Köln hat das Lehrinstitut einen hohen Stellenwert. Der Besuch des Lehrinstituts ist für das Erreichen einer herausragenden Führungsposition zwar nicht zwingend erforderlich, aber - alternativ zum Studium - ein wesentlicher Baustein für die Karriere bei der Kreissparkasse Köln.

Darüber hinaus war das Lehrinstitut für mich bedeutend für die persönliche Entwicklung als Führungskraft. Die Absolventen des Lehrinstitutes nehmen viele Dinge mit, die ihnen neben der fachlichen Kompetenz sehr helfen.

LI: Neben Ihrer Tätigkeit als Vorstandsvorsitzender einer der größten Sparkassen Deutschlands unterrichten Sie als Dozent am Lehrinstitut des DSGV. Was bedeutet für Sie diese Lehrtätigkeit?

Wüerst: Erstens macht diese Tätigkeit mir viel Spaß, weil ich selber auch Lehrinstitutler gewesen bin.  Deswegen gebe ich auch gerne das, was ich in meiner beruflichen Praxis erlebt habe, an diejenigen weiter, die das nach dem Lehrinstitut noch vor sich haben. Das Zweite ist, dass ich von der Institution des Lehrinstituts überzeugt bin. Es ist für die Sparkassenorganisation eine wichtige und gute Einrichtung. Durch meine Dozententätigkeit will ich das Lehrinstitut unterstützen und mit dazu beitragen, dass diese Institution erhalten bleibt. Drittens: Auch wenn man selber schon lange berufliche Erfahrungen hat, lernt man auch als Dozent aus der Diskussion mit den Lehrinstitutsabsolventen. Man bekommt für die eigene Arbeit hilfreiche Impulse, Ideen und Gedanken.

LI: Was sind für Sie Charakteristika des Lehrinstituts und seiner Absolventen? Wodurch unterscheidet sich das Lehrinstitut aus Ihrer Sicht von anderen Bildungseinrichtungen?

Wüerst: Das Lehrinstitut ist für mich eine ideale Symbiose aus der Vermittlung wissenschaftlich komplexer Inhalte und  täglicher Praxis in der Sparkasse. Sie haben in den meisten anderen Bildungseinrichtungen das Problem, dass sie entweder sehr stark fachlich oder sehr stark praktisch ausgerichtet sind. Im Lehrinstitut treffen beide Elemente zusammen. Das sehen Sie im Dozentenkreis: Von wissenschaftlich geprägten Professoren bis hin zu vielen Praktikern. Dadurch gelingt es meines Erachtens immer wieder, den Bezug herzustellen zwischen dem theoretischen Wissen, von wissenschaftlichen Erkenntnissen zum täglichen Leben in den Sparkassen, in den Unternehmen. Das ist das entscheidende Charakteristikum des Lehrinstituts, das wir so ausgeprägt in kaum einer anderen Bildungseinrichtung finden.

LI: Und wie schätzen Sie die Absolventen des Lehrinstituts charakteristisch ein?

Wüerst: Ich kann das am besten an meinem eigenen Beispiel aufzeigen. Lehrinstitutler sind Menschen, die sehr gerne praktisch arbeiten und in der Praxis auch schon Erfolge erzielt haben. Häufig fehlen noch methodische, wissenschaftliche Grundlagen, um dann in die Top-Führungspositionen zu gelangen und genau das wird Ihnen hier vermittelt und zwar auf dem Fundament praktischer Erfahrungen. Wenn Sie nach der Schule direkt an die Universität gehen, dann fehlt Ihnen eben diese Basis, das Fundament der Erfahrungen. Sie lernen zumeist sehr theoretisch. Und das eben ist genau der Unterschied.

LI: Welche beruflichen Entwicklungschancen in der S-Finanzgruppe sehen Sie, als Sparkassenvorstand, für Absolventen des Lehrinstituts?

Wüerst: Die Allerbesten. In den letzten Jahren hat erfreulicherweise der Anteil der Hochschulenabsolventen in unseren Sparkassen zugenommen, was auch gut ist. Das tangiert die Absolventen des Lehrinstitutes in keiner Weise, sofern das Lehrinstitut in seiner Form erhalten bleibt. Der Lehrinstitutler hat mindestens die gleichen Chancen wie ein Hochschulabsolvent, wenn nicht bessere. Denn noch mal zurück gesprungen auf die Charakteristika: Den Lehrinstitutler zeichnet aus, dass er schon beruflichen Erfolg nachgewiesen hat. Er wird unterstützt durch die Vermittlung tiefen wissenschaftlichen und sonstigen Fachwissens. Derjenige, der von der Hochschule kommt, hat eben diese Erfahrung noch nicht. Er fängt dann erst an, sich in der Praxis zu bewähren.

Und deswegen kann ich auch als Vorstand einer großen Sparkasse sagen: Ein Lehrinstitutler wird bei mir immer einen hohen Stellenwert haben, wenn ich Führungspositionen zu besetzen habe.

LI: Welche Rolle spielt die Netzwerkbildung im Lehrinstitut für Sie?
Sollte aus Ihrer Sicht die Netzwerkbildung institutionalisiert werden?

Wüerst: Die zweite Frage möchte ich zuerst beantworten: Meines Erachtens ist die Netzwerkbildung institutionalisiert auch wenn sie in keiner Verordnung festgehalten ist. Ich kenne keinen Jahrgang, bei dem keine jährlichen Treffen stattfinden, wo nicht in den Klassen und auch im Lehrgang intensive Kontakte weitergepflegt werden. Im Übrigen ist es nicht nur in meinem Lehrgang so gewesen, dass sich daraus nicht nur ein Netzwerk sondern auch intensive, sehr stabile und sehr langjährige Freundschaften entwickelt haben. Ich kenne niemanden, bei dem das nicht so gewesen ist. Das hat einen hohen Stellenwert für den Erfahrungsaustausch und das eigene Lernen.

Ein Netzwerk funktioniert nicht, wenn es verordnet wird, sondern nur, wenn es sich entwickelt.

LI: Das Lehrinstitut wurde in der Vergangenheit häufig kritisch betrachtet. Bildungseinrichtungen unterliegen dem regelmäßigen Wandel der Zeit. Als solches wurde das Lehrinstitut mit dem 69. Lehrgang auch curricular modifiziert

Wie schätzen Sie die Zukunft des Lehrinstituts ein?  

Wüerst: Ich betone ausdrücklich: Bedauerlicherweise ist es in der jüngeren Vergangenheit kritisch betrachtet worden. Es gab Stimmen, die die Notwendigkeit des Lehrinstituts in Frage gestellt haben. Glücklicherweise sind wir jetzt in der Situation, dass die Befürworter des Lehrinstitutes sich durchgesetzt haben. In allen Gremien ist die Erkenntnis gereift, dass das Lehrinstitut nun unverändert ein wichtiges Element der Aufstiegsweiterbildung der Sparkassenorganisation ist. Und das ist auch gut und richtig so. Ich bin ein überzeugter Anhänger des Lehrinstituts und habe den Eindruck, dass sich das Lehrinstitut als Bildungseinrichtung stabilisiert hat. Ich kann mir nicht vorstellen, weshalb die von mir genannten Argumente in Zukunft keine Gültigkeit mehr haben sollten. Deshalb sehe ich die Zukunft des Lehrinstituts absolut positiv.

LI: Sehr geehrter Herr Wüerst, wir danken Ihnen für das Gespräch.


Zur Person: Alexander Wüerst, geb. 16.03.1961

Nach Sparkassenlehre, -fachlehrgang und -praxis Studium am Lehrinstitut der Deutschen Sparkassenakademie, Bonn ( 1989 – 1990 ). Seit 1984 bei der Kreissparkasse Köln, u.a. als Firmenkundenbetreuer, Vorstandsassistent sowie im Individual-/ Privatkunden-, Eigen- und Handelsgeschäft tätig. Seit 2002 Mitglied des Vorstandes, und seit 01.02.2006 Vorsitzender des Vorstandes der Kreissparkasse Köln.


Quelle: DieSparkassenZeitung, 69. Jahrgang, Nr. 31, 4. August 2006, Seite 9, Hrsg.: DSGV